7. Dezember 2019

Von Blankenstein über Pottiga nach Harra

Von Blankenstein über Pottiga nach Harra

Eine Wanderung an der Saale und am Rande des Thüringer Waldes

Eine Übersichtskarte

Die Wandervorbereitungen

Obwohl unsere Wanderutensilien zum größten Teil immer Griffbereit liegen und sich eine lange und bewährte Routine im Packen der Sachen eingestellt hat, musste in meinem Fall noch rasch an den mitzunehmenden Proviant gedacht werden. Selbst bei dieser gemütlichen Wanderung verbrauche ich als 80 kg schwerer Mann mit 56 Jahren gut und gerne 2181 kcal extra
Also, nachschauen was der Vorratsschrank und Kühlschrank noch so hergibt: Erdnussbutter, Kaffee, Knäckebrot, oder vielleicht doch den leckeren Käse mitnehmen?  Schöne Kalorien führen alle der Speisen dem Körper zu, so führt mich dann der Appetit zum Brot mit Käse und der Kaffee dazu darf auch nicht fehlen. Der „Hungerast“ oder eine Kalorienversorgung unter dem Verbrauch, kann zu „schweren Beinen“ und eingebüßter körperlicher Leistungsfähigkeit führen,

dies macht sich in Trittunsicherheit mit erhöhter Sturzgefahr, Schwindel, Erschöpfungsgefühl, verminderter Konzentration (vom Weg abkommen) bemerkbar,  was dann folgt sind regelrechte Heißhungerattacken und dazu darf es nicht kommen! Ausschließlich auf das Essen und den Kalorienausgleich fixiert zu sein beeinträchtigt die Qualität der Wanderung ganz erheblich. Bevorzuge Nahrungsmittel mit einer hohen Kalorienausbeute im Verhältnis zum Eigengewicht des Nahrungsmittels, eingeschränkt wird die Auswahl in meinem Falle allerdings dahingehend, das die Nahrungsmittel auch noch einen gewissen gesundheitlichen Aspekt erfüllen sollen.  Es ist wichtig auf die entsprechende Balance zu achten, wenn du zu viel an Gewicht mit dir herumschleppst dann wird sich auch wieder der Kalorienverbraucht und die Erschöpfung erhöhen. Wandern beinhaltet immer auch einige Denksportaufgaben.

Wir wandern los

Es ist bereits 11:00 Uhr geworden als wir -Susanne, Yuki (Ein Akita Inu-Mädchen und unser Wanderhund) und ich am Wanderparkplatz bei Blankenstein angekommen sind. Glücksgefühle stellten sich schon während der Fahrt  beim Gedanken an die bevorstehende Wanderung ein. Und gedacht wurde auch an alles!  GPS-Gerät dabei, Proviant, Kocher mit Gaskartusche, gefüllter Wasserbehälter, Stöcke, unsere Ultraleichten Regensachen, Mobiltelefon und natürlich an einer Brotzeit für Yuki. GPS-Gerät hochfahren, Route auswählen, Einstiegspunkt der Route finden(!) und schon kann es los gehen!

Ich liebe mein GPS-Gerät, ist doch jetzt damit die Zeit der Wanderkarten vorbei. Zu viele Vorteile verbinden sich einfach mit solch einem Gerät. Der Wetterbericht hat einzelne Schauer bei sonst sonnigem Wetter vorhergesagt die Temperatur soll bei 15 – 22 C° liegen. Die ersten Meter fühlen sich noch etwas steif an, die Schrittgeschwindigkeit orientiert sich jedoch jetzt schon an den vielen Kilometern vergangener Wanderungen. Die Muskulatur wird rasch warm, Blut fließt vermehrt durch die Extremitäten, Sehnen und Bänder dehnen sich, Gelenkflüssigkeit wird gebildet. Schon nach einem Kilometer entledige ich mich meiner Jacke.

Traumhund für Wanderer

Yuki läuft wie immer ohne Leine einmal vor uns einmal hinter uns her. Sie ist der absolute Traumhund für Wanderer. Ohne Jagdtrieb, ohne Aggressionen Artgenossen gegenüber, gehorsam und dadurch gut zu führen, mit guter Kondition und einer Portion Zähigkeit, Erfahren im Umgang mit ihren Ressourcen und Wachsam wenn es darauf ankommt ist sie immer an ihrem „Rudel“ orientiert.
Die ungelenke Steifigkeit hat sich in einen elastischen, rhythmischem Gang gewandelt der jetzt stundenlang, erschöpfungsfrei in fast jedem Gelände durchgehalten werden kann.

Der Kopf ist frei er ist bereit die Signale die die Elemente und die Natur senden aufzunehmen, zu verarbeiten und dann dem Geist und Körper zu Verfügung zu stellen. Die Tour muss ein Ortskundiger Wanderer erstellt haben, dies lässt sich anhand des eigenwilligen Streckenverlaufs, wie wir später noch öfters sehen werden, so vermuten. So liegt der aufgezeichnete Startpunkt der Tour draußen auf der „Pferderennbahn“. Es setzt eben einige Ortskenntnis voraus um dahin zu gelangen. Doch wir sind gerade solchen Autoren dankbar, die uns Wege abseits der „Trampelpfade“ durch ihre Ortskenntnis aufzeigen und uns damit völlig neue Perspektiven unserer Heimat eröffnen.

Die Abenteuer unterwegs

As „Pferderennbahn“ wird eine Strecke von vielleicht zwei Kilometern  Schmalspurgleis bezeichnet. Dieses Gleis hat die Papierfabrik von Blankenstein mit dem Umschlagplatz verbunden. Die erzeugten Güter wurden bis vor 60 Jahren noch mittels Miniaturschienenfahrzeugen von der Fabrik zum Umschlageplatz transportiert und bei der im DDR-Planwirtschaft temporären Treibstoffknappheit wurden eben auch manches Mal Pferde vor die Transportwägelchen gespannt. Die Bahn und die Gleisanlage wird heute liebevoll von einem Förderverein gehegt und gepflegt. Zwei Mal im Jahr werden die Motoren geölt der Tank mit Diesel befüllt, die originale Eisenbahnermontur angezogen, die Fahrgäste aufsitzen lassen und zur historischen Fahrt mitgenommen, ein Spektakel das seines Gleichen sucht!  

Freundliche Wanderer begegnen uns, die genau so strahlen wie die Sonne und deren gute Laune leicht zu erahnen ist. Es geht gut voran, die Saale fließt ruhig dahin und wir unterhalten uns angeregt. Wir streifen einige vorgelagerte Häuser von Blankenberg und gehen dann in den kurzen Anstieg in Richtung Pottiga.
Auf der Anhöhe angekommen ist man sogleich von der wunderbaren Aussicht beeindruckt. Der Fremdenverkehrsverein von Pottiga hat an markanter Stelle eine Aussichtsplattform errichten lassen. Ein Wegweiser dahin ist am Weg angebracht. Über den Anblick der Ansichtsplattform gibt es sicher geteilte Meinungen, doch der Ausblick von selbiger ist ein wahrhaft atemberaubend. 180° freies Sichtfeld alle interessanten/markanten Örtlichkeiten mittels Schildchen benannt. Ein Gefühl von Freiheit tut sich auf

Unsere erste Rast

Susanne meint, sie hätte jetzt Lust auf einen Kaffee, sie hat die neben der Aussichtsplattform vorhandenen Sitzgruppen im Sonnenschein bemerkt die förmlich dazu einladen Platz zu nehmen. Gute Idee antworte ich und schon mache ich mich auf den Weg zur Bank, packe meine Sachen aus. Gaskartusche, Gaskocher, Wasser und Kaffee aus Indonesien diese Dinge werden uns helfen unsere gute Laune bald noch weiter zu steigern. Der ultraleichte Kocher von nur 17 Gramm ist schnell auf die Kartusche geschraubt und eine Flamme erzeugt. Wegen des Windes an diesem Platz, verwende ich heute meinen Windschutz um die Hitze der Flamme gut unter der Kochtasse zu halten.

Schon nach wenigen Minuten kocht das Wasser und der Kaffee wird gebrüht.
Ausflügler gesellen sich zu uns, unsere Yuki wird wie schon so oft zum Gesprächsthema: Wie brav sie doch ist, wie ruhig sie daliegt, wie schön ihr Fell ist und ob man sie auch streicheln kann? Die Leute sind unaufdringlich und  vorsichtig, sie nähern sich dem Tier um es langsam und vorsichtig am Kopf zu berühren. Klar fühlen wir uns  geschmeichelt, wenn unser Tier solch eine positive Resonanz bei den Leuten hervorruft. Akitas erregen durch ihre entspannte, chillige Art immer wieder die Aufmerksamkeit der Menschen, viele fühlen sich unbedingt vom Tier angezogen und haben den größten Wunsch es zu berühren.

Komplizierte Routenführung

Für uns wird es Zeit aufzubrechen und die zum Auslüften ausgezogenen Schuhe wieder anzuziehen. Der Pfad ist jetzt gar nicht mehr auszumachen, vor uns liegt eine Wiese die im Sommer auch schon als Tierweide genutzt wurde, gut genau jetzt das Navi zu haben, ich zoome in die Karte und kann somit den exakten Verlauf des Pfades erkennen. Es geht zwischen Waldrand und Weide entlang immer bergab in die Richtung der unter uns langsam dahinfließenden Saale. Nur mit Karte bewaffnet hätten wir jetzt wohl längere Zeit damit verbracht nach dem Fortgang des Wanderpfades zu suchen. Wir durchwandern ein kleines Waldstück und sehen schon von oben kommen den sogenannten „Kolonnenweg“.Wir befinden uns nämlich hier auf dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzgebiet und dieser „Kolonnenweg“ diente seinerzeit dazu mittels Fahrzeug die Grenze abzufahren um diese zu kontrollieren.

Ebenes Gelände und wunderschön liegt die Saale vor uns, viele Bäume und spät blühende Blumen ergeben ein harmonisches Gesamtbild, Licht und Schatten wechseln sich ab und tauchen die Landschaft in ein abwechslungsreiches Licht. Es geht wieder bergauf, wir haben Pottiga jetzt in einer langgezogenen Schleife umrundet. In Pottiga sollte uns der Pfad entlang der Friedhofsgeländes voranbringen? Weil der Fortgang nicht ersichtlich war, entschieden wir uns auf der Hauptstraße zu bleiben und beim nächsten Querweg unser Glück zu versuchen. Alles gut! Der Pfad hat uns wieder.
Es ist wie im richtigen Leben: „Immer achtsam sein und mitdenken“. Yuki läuft nach wie vor frei, auf unterwegs angetroffene Artgenossen reagiert sie  wie ein Durchreisender. Sie begrüßt die Artgenossen kurz dann ein kleiner Plausch und schon bald geht es weiter.

Yuki und wir sind ein eingespieltes Team – Ziel ist das Vorrankommen, auf langen Strecken Kilometer machen, im Ziel liegt unsere Erfüllung und das Glück. Der Einsatz dafür gibt uns tiefe Befriedigung. Es erstaunt uns immer wieder aufs Neue, wie sehr Yuki quasi „Gedanken lesend“ diese Vorgehensweise verinnerlicht hat!

Das Navi ist ein unentbehrlicher Helfer

Weites Land zu unserer Linken, sonnendurchflutete Landschaft, Wärme auf der Haut und einen tollen Rastplatz zu einer ausgiebigen „Siesta“ in Aussicht. Hunger und Durst haben sich gemeldet um gestillt zu werden.  Es passt wieder alles wie von Zauberhand arrangiert.
Käsebrot und heißer Kaffee im Sonnenschein. Susanne hat ihr Picknicktuch ausgebreitet, wir nehmen darauf Platz und genießen, jeder für sich die mitgebrachten Köstlichkeiten, geben dem Körper wonach er verlangt, unser Blick schweift übers Land und gibt Anlass zum Gedankenaustausch.
Das Navi erweist sich wieder einmal mehr als ein unentbehrlicher Helfer in dem Gewirr aus Waldpfaden, moosigen Wegen, Kreuzungen und Abbiegungen.
Nie wären wir auf die Idee gekommen dieses Gelände einfach so, „ohne Führung“ zu durchstreifen. Diesen Weg kann eigentlich nur ein Ortskundiger Wanderer so weiter gegeben haben. Susanne meinte es sähe hier aus und rieche auch so wie damals. Wir kommen zum „Haus am Waldrand“

Das Haus ist ein Weiler und ein markanter Punkt unserer Wanderung, die Route führt hier nach links, doch hier ist kein Wanderpfad zu sehen! Nur eine große Wiese, eine Waldlichtung. Rat suchend blicke ich Susanne an. Wir entschließen uns schließlich am Waldrand entlang die große Wiesenfläche zu umgehen, gespannt auf das was noch kommen wird.
Unten am Waldrand angekommen entspringt wie aus dem Nichts plötzlich ein schmaler Wanderpfad, er schlängelt sich in den Wald hinein, dieser Wald wuchs auf einer Klippe, einer Anhöhe und unter ihr fließt die Saale. Abstieg – die kleine Brücke hinüber nach Harra ist schon bald erreicht. Die Sonne steht schon ziemlich schräg und wirft lange Schatten. Yuki nimmt mit einem ärgerlich bellenden kleinen Hund Kontakt auf, dieser verstummt sofort als sich beide, Nase an Nase durch den Zaun berühren. Kurzer Gruß hinüber zu den Damen im Vorgarten, die der kleine Hund wohl zu beschützen hat? Weiter geht es schon, wir lassen die Damen mit ihrem kleinen Hund in ihrer Welt zurück.

Das Ende der Wanderung

Ab hier endet die vorgegebene Route und Susannes Ortskenntnisse sind gefragt.  Nach der Karte wäre Blankenstein nur über eine Autostraße zu erreichen. Susanne  fragt Passanten nach einer Alternative zur Autostraße. „Gehen Sie nur zum Ortsausgang, es gibt dort noch Blankenstein

einen Fuß- und Radweg bis hinüber nach erklärt uns ein freundlicher Passant. Susanne führt uns zielstrebig aus den Ort bis hin zum Radweg. Der geteerte Radweg ist schnell hinter uns gebracht und schon erreichen wir wieder Blankenstein, nur noch hinunter Richtung Bahnhof und von dort zum Wanderparkplatz.

Die Bilder der Tour

Der Start der Wanderung