20. Oktober 2020

Von Weißenstadt zum Schneeberg und zurück nach Weißenstadt

Avatar
Viele Wege – ein Ziel

Von Weißenstadt zum Schneeberg und zurück nach Weißenstadt

Wanderung im hohen Fichtelgebirge bei Regen und Wind

Nachdem letztes Wochenende die Wanderung ausgefallen ist, kam mir der freie Tag am 03. Oktober gerade recht dafür jetzt eine schöne Wanderung nachzuholen. Bin schon seit längerem nicht mehr im Fichtelgebirge wandern gewesen und sehne mich geradezu danach wieder einmal auf alt bekannten Pfaden zu laufen.
Los geht es dann ab Weißenstadt. Yuki – genauso ungeduldig wie ich – springt vor Freude, dreht sich wie wild im Kreis, läuft den kleinen Hügel hoch und wieder herunter und lacht dabei vor Glück. Wie? „Ein Hund lacht vor Glück?“ Ja, aber natürlich lachen auch Hunde! Sie öffnen die Schnauze ein paar Zentimeter und ziehen dabei ihre Mundwinkel zurück. Dabei gehen sie in Blickkontakt mit ihrem Menschen, sie springen und laufen dabei, und „schäumen über“ vor lauter Glück. Wie gut es tut die vom Wind durch gewirbelte Luft einzuatmen, kühl und sauber fühlt sie sich an. Regenschauer sind vorhergesagt, dann kann ja ich endlich mal meine neuen Regensachen anziehen.

Die Tour von heute folgt zum Teil dem Verlauf des Höhenweges, sonst ist sie frei ausgearbeitet und es ist ein Navigationsgerät zur Orientierung notwendig.
Wir laufen ein kleines Stück entlang des Badesees bis zur ersten Beschilderung des Höhenweges – weißes “H“ auf rotem Grund – dann über die „Bayreuther-Str.“ an den „Kellern“ vorbei hoch zum Neubaugebiet „Lederer“ und dann immer geradeaus bis hin zum Waldrand. Unser erstes Zwischenziel ist der Rudolfstein mit seinen markanten Felsformationen – einer der Felsen kann durch eine Treppe bestiegen werden – oben angekommen eröffnet sich uns ein toller Fernblick bis hinüber zum Waldstein, der Badesee, der Schneeberggipfel, der Vordorfer Wald und am Horizont lässt sich die Kösseine gut ausmachen.

Mühelos hoch zum Schneeberggipfel

Weiter geht es zum Rudolfsattel und in den ersten Anstieg zum Schneeberggipfel. Der Wind hat hier oben noch weiter aufgefrischt und es hat zudem zu regnen begonnen. Also krame ich meine ultraleichten Regensachen, bestehend aus Regenhose und einer Regenjacke aus dem Rucksack. Die Sachen sind wirklich hauchdünn und leicht – ganz vorsichtig streife ich mir die Sachen über. Trotz des filigranen Tragegefühls stellt sich sofort die gewünschte Schutzwirkung ein! Die Kleidung darunter bleibt schön trocken. Ganz leicht und mühelos hatte ich die erste steile Rampe hoch zum Schneeberggipfel genommen, die Gewichtsabnahme und das kontinuierliche Wandern zahlten sich aus! Noch ein Stück über den Wanderpfad, dann links durch die Bäume bis zur geteerten

Zufahrtsstraße zum Schneeberggipfel – von hier sind es noch ca. 400 Meter bis zum Gipfel. Sturmböen peitschen den Regen gegen die Bäume und manches Mal reißt auch der Himmel auf und die Sonne bekommt kurz die Möglichkeit ein paar Strahlen zur Erde zu senden. Wir verzichten heute auf eine Rast hoch oben auf dem Gipfelplateau und folgen stattdessen weiter unserem „Höhenweg“ und biegen vor dem Gipfel nach links in den Wald ein.
Der Weg geht nach ein paar Hundert Metern auf ebenem Gelände jetzt ins Gefälle. Eigentlich gleicht unser Wanderpfad hier mehr einem Bach als einem Weg zum Wandern. Das Wasser läuft nach den starken Regenfällen hier ab und sucht sich seinen Weg auf einem von großen Steinen und Wurzeln durchsetzten Weg. Immer wieder stehen wir Knöcheltief in Wasser und Schlamm.

Einige Bilder der Wanderung

Vorbeiziehende Wanderer in weiten Regenponchos

Meine Regenkleider halten nach wie vor schön trocken und leiten dank der ausgeklügelten Konstruktion und Membran den Wasserdampf gut nach außen ab. Super wie gut das funktioniert – und das eben auch nach der ganzen hochlauferei, es waren immerhin gerade über 530 Höhenmeter! Was kann ich mehr wollen!
Mein Navigationsgerät zeigt 8,7 Kilometer bereits gegangenen Wegstrecke an. Das Ende des „Bach-Weges“ ist erreicht – eine Hütte der Bergwacht mit überdachter Terrasse steht etwas abseits des Weges da. Der Hunger und die Aussicht auf ein trockenes Plätzchen lässt uns unserer Gewohnheit, erst nach ca. 13 Kilometer die erste Pause zu machen für dieses Mal ungeachtet. Vorbeiziehende Wanderer in weiten Regenponchos und mit Regenschirmen bestückt scheinen etwas „neidisch“ auf unser Lager zu blicken. Kann mir gut vorstellen das einigen von ihnen, mit nassen Füßen unterwegs sind, besonders

länger getragene Wanderstiefel werden der Nässe an diesem Tag wenig entgegen setzten können. Ich genieße meinen warmen Kaffee und die Brotzeit, Yuki macht sich über sein Hundefutter her und „verschlingt“ es mit großem Appetit. Überhaupt ist Yuki eifrig bei der „Sache“, läuft und springt durch Sturm und Regen, trägt manche Stöcke umher und ist quietschlebendig. Es tut ihr offensichtlich gut wieder mit mir auf der Wanderung zu sein. Wir verlassen nach der Hütte den „Höhenweg“ und flogen der Beschilderung Richtung „Bischofsgrün“ und „Haberstein“.
Es geht über gut ausgebaute Forstwege weiter dahin, immer bergab vorbei an der etwas abseits gelegenen „alten Egerquelle“. Die geteerte Zufahrtsstraße zum Schneeberggipfel erreichen wir nach einigen Kilometern, bleiben kurze Zeit auf ihr um dann unvermittelt nach links auf einen Wald Pfad einzubiegen. Bitte halten Sie auf dieser Passage ihr Navigationsgerät griffbereit um immer wieder den Verlauf des Weges kontrollieren zu können!

Kinder lassen am Weißenstädter See ihre Drachen steigen

Das nächste Zwischenziel ist die „Weißenhaider-Mühle“ – ein ehemaliges Gasthaus das schon seit einigen Jahren leersteht. Die „alte Eger“ fließt hier malerisch und mit ziemlich viel Wasserkraft aus dem Talkessel. Eigentlich immer eine willkommene Möglichkeit für Yuki ihren Durst zu löschen. Doch heute scheint Yuki die Gefahr die von der, vom Regen angeschwollenen „alten Eger“ ausgeht zu spüren und wagt sich nicht zum Wasser. Ich fühle mich puddelwohl, der Regen hat nachgelassen und die Wolken lassen der Sonne bessere Chancen ihr Lichterspiel zu beginnen. Erst noch ein paar Kilometer auf ausgebauten Forstwegen um dann wieder auf schmalen Wanderwegen durch den Wald zu streifen.

Vereinzelt treffen wir noch auf Essbare Speisepilze, wohl die letzten ihrer Art für dieses Jahr. Die von Schönlind herführende Straße ist bald erreicht, der Weg führt uns weiter und wieder zurück zum „Weißenstädter-See“. Die Wege des Sees sind mittlerweile von Feiertagsausflüglern bevölkert. Sie genießen das windige-Wetter am See, einige haben Drachen für ihre Kinder dabei.
Yuki muss an die Leine und ich bediene mich noch rasch am „Fallobst“ und lasse mir die süßen Zwetschken schmecken. Vorne an der „alten Fabrik“ macht eine Fotografin stimmungsvolle Aufnahmen von den verfärbten Weinblättern die an den alten Mauern hochranken. Zufrieden machen wir uns auf die Heimfahrt.