30. Oktober 2020

Der Franziskus Weg von Sansepolcro bis Citta di Castello

Romantische Ruine

Der Franziskus Weg von Sansepolcro bis Citta di Castello | 32,6 km

Der 5. Tag

Von Sansepolcro bis Citta di Castello

Die Schönheit und Ruhe dieses Ortes ist einfach unglaublich

Ich habe ausreichend und gut geschlafen. Es wehte immer ein leichter Wind in dieser Nacht und doch war das Zelt mal wieder feucht am Morgen. Wir befinden uns auf ungefähr 320 hm und unser nächstes Zwischenziel ist die Einsiedelei „Convento Montecasale“ welche auf 850 Höhenmetern liegt. Über Serpentinen, immer höher schraubt sich der Pfad durch die Kastanienwälder hoch zur Einsiedelei, der Pfad ist ausgesprochen steil und teilweise sehr glitschig.

Die Schönheit und Ruhe dieses Ortes ist einfach unglaublich. Das Kloster stammt aus dem Jahr 1192, als die Kamaldulenser eine kleine Einsiedelei mit einem Krankenhaus und einem Hospiz für Pilger entlang der Straße, die die Alpen und die Marken (Grenzgebiet eines Reiches) durchquerten errichteten. Leider war die Einsiedelei bei meinem Eintreffen nicht bewirtschaftet. Der Pfad verläuft nach dem Kloster weiterhin durch Laubwälder, seine starke Steigung hat er dann aber verloren.

Die Einsiedelei

Wir treffen auf bröckelnde Höfe auf einsamen Höhen

Es geht über eine karstige Hochebene auf der wieder viele Wacholderbüsche gedeihen. Wir treffen auf bröckelnde Höfe auf einsamen Höhen. Und schön mit Efeu und Hecken eingewachsenen Ruinen – in ihnen hat die Natur jetzt die Regie übernommen. Einige Kilometer einsamer Landstraße sind zu bewältigen. Die Sonne bricht noch am Vormittag durch und wir machen es uns deshalb auf einer kleinen abschüssigen Wiese bequem. Kaffee wird gekocht und ein Paket von meinen Instant Nudelsuppen wandert gleich danach in meine Kochtasse.

Zelt und Schlafsack wird wie immer bei solchen Chancen zum trocknen schön ausgelegt. Wir lassen die Zeit dahinfließen. Über eine Stunde genießen wir die Wärme der Sonnenstrahlen. Bei Celalba endet die bergablauferei und über geteerte Straßen führt der Pfad weiter von Ort zu Ort. In einem kleinen Lebensmittelgeschäft gibt es selbstgemachte Pizza, Käse, Brot und Hundefutter für Yuki. Gerne haben wir bei der freundlichen Ladenbesitzerin eingekauft. Ihre Pizza war im Nu gegessen, der große Appetit ließ es nicht zu die Köstlichkeiten aufzubewahren.

Kleine Hunde verbringen den Tag schlafend vor Haus und Hof

Ein Weinstock am Wegessrand trägt noch einige rote Trauben und natürlich gehe ich nicht daran vorbei, ohne welche zu probieren. Yuki mag keine. Durch die lange Zeit in der Sonne sind die Reben zuckersüß und geschmacklich sehr intensiv geworden, sie sind ein wahrer Gaumenschmaus. Ab hier führt der Pfad zunächst durch eine relativ stark besiedelte Gegend.

Kleine Hunde die den Tag schlafend vor Haus und Hof verbringen, werden hellwach als sie bemerken das ein großer, fremder Hund soeben an ihnen vorbei gelaufen kommt.

Es folgt eine lautstarke Bellerei und eifrig springen sie vom Hof auf die Straße und hinter Yuki her. Yuki lassen diese übertriebenen Allüren jedoch kalt und unbeeindruckt.

Stoisch geht sie ihres Weges dahin und schenkt den aufgebrachten kleinen Kerlen nur selten Beachtung. Wir durchlaufen „Pitigliana“ und „Selci Lama“ bis „Citta di Castello“ – machen während des Weges noch einmal Rast auf einer Wiese im Sonnenschein und lassen es uns gut gehen. In „Citta di Castello“ gibt es mehrere Möglichkeiten den Proviant aufzustocken. Ich entscheide mich für einen Supermarkt der ziemlich am Ende der Stadt ist und direkt am Weg liegt.

Yuki wird verfolgt…

Ein Tag voller Abenteuer neigt sich zu Ende.

Dort kaufe ich für uns beide nur das Nötigste dazu, dann machen wir uns ohne lange Pause schnell wieder auf den Weg. Raus der Stadt in eine mit kleinen Hügeln durchsetzte Landschaft. In dieser Gegend gibt es viele landwirtschaftliche Anwesen. Ein großer Maschinenpark steht vor den jeweiligen Höfen. Der Tag neigt sich zu Ende. Wider erwarten lässt sich hier trotz sorgfältiger Suche so auf die schnelle kein Lagerplatz für die Nacht ausmachen.

Erwartungsvoll laufe ich an verschiedenen, vielversprechenden Stellen weg vom Pfad um wegen eines Lagerplatzes zu schauen. Zu steinig, zu schräg, zu viele Büsche, nix geht im Moment. Doch nach ein paar Kilometern finde ich oberhalb der Autostraße bei einem Nebenweg zwischen Ginsterbüschen eine gute Stelle. Wie immer – Zelt aufbauen und rein in den Schlafsack, es reicht für heute, die knapp 33 Kilometer haben schwere Beine verursacht.

Das Zelt zwischen Ginsterbüschen aufgebaut

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