21. Januar 2020

Der Franziskus Weg von Sant ´Ellero bis Gualdo

Der Franziskus Weg von Sant ´Ellero bis Gualdo | 21,1 Kilometer

Der 1. Tag – Eine Streckenwanderung in Acht Tagen

Von Sant ´Ellero bis Gualdo

Guter Start der Wanderung

Ich komme ziemlich ausgeruht an mein Ziel Sant Èllero an. Sant Èllero ist nur eine Bahnstation mit zwei großen Pendlerparkplätzen, einer Papierfabrik und weiter unten, einer Hand voll Häuser. Bei meinem eintreffen am Vormittag sind diese Parkplätze natürlich alle besetzt gewesen. Nach ein paar Ehrenrunden wurde dann tatsächlich noch ein Plätzchen für mein Fahrzeug frei. Es gab keine Zeit zu verlieren: Raus aus den Reiseklamotten und rein in die Wandersachen, welche ich für die nächsten acht Tage unentwegt tragen sollte. Meinen Rucksack hatte ich Zuhause schon vorbereitet, er war so wie er war fertig zum „Gebrauch“. Pünktlich um halb Zwölf war ich fertig um loszulaufen. Für meine Leser: Ein Packliste für den Franziskusweg im November

Der Himmel zeigte sich bedeckt und es war ungefähr 15°C warm, somit perfekt zum Wandern. Ich genoss die ersten Schritte ganz bewusst in dieser herrlichen Umgebung. In der Gegend gibt es sehr viele Olivenbäume und Weinreben. Bis hoch in die Berge reichen die Olivenhaine bis an den Pfad heran und sind schön anzuschauen. Die Navigation funktioniert sehr gut mit der kurz zuvor besorgten Italienkarte über Openstreetmap. Die Karte ist erstaunlich genau. Meine Yuki lasse ich vorerst angeleint. Möchte zunächst erfahren ob der sonst übliche Freilauf des Hundes auch hier funktioniert. Das Tier ist hier doch erheblichen neuen Reizen ausgesetzt!

Das Gewicht bringt mich um!

So wandere ich an diesem ersten Tag immer höher, hinein in die Berge. Anfänglich liegen am Wegesrand noch kleinerer Ansiedlungen und Weiler. Ich fühle mich gut, meine Unternehmung scheint gut anzulaufen. Dann geht es immer steiler bergauf, die Pfade sind eigentlich keine Pfade so wie ich sie von Zuhause her gewöhnt bin! Sie gleiche mehr „ausgewaschenen Flussbetten“ mit Kopfgroßen Steinbrocken und jeder Menge unbefestigtem Geröll. Und immer weiter hoch führt der Pfad bis zum „Consuma-Pass“ auf 1085 hm. Zur Verdeutlichung: Sant Èllero liegt auf 117 hm. Der Pass ist nach beständiger bergauflauferei in ungefähr 18 Kilometern erreicht.

Bald drückt jedes Gramm welches ich nach meiner Meinung zu viel im Rucksack habe. Für volle vier Tage Proviant, zwei Liter Wasser und zudem eine größere Menge Hundefutter neben der gewöhnlichen Leichtgewichts Ausrüstung waren „an Bord“. Das wiegt natürlich! Ich beschließe etwas von dem Wasser wegzuschütten und Yuki einen Teil es Hundefutters zu überlassen. So, nun geht es wieder leichter voran und wir durchlaufen schon bald „Consuma“ und danach noch „Gualdo”. Der Respekt vor der selbst gestellten Aufgabe ist enorm geworden. Diese Umstände hier vor Ort lassen sich nur schwer mit meinem Fichtelgebirge vergleichen! Das Fichtelgebirge ist ein „Sandkasten“ dagegen! Diese brutalen Anstiege und die schlechten Wegverhältnisse hatte ich so nicht unbedingt erwartet.

Ich habe zu diesem Zeitpunkt einen Riesen Respekt vor meiner selbst gestellten Aufgabe bekommen. Diese Umstände hier vor Ort lassen sich nur schwer mit meinem Fichtelgebirge vergleichen! Das Fichtelgebirge ist ein „Sandkasten“ dagegen! Diese brutalen Anstiege und die schlechten Wegverhältnisse hatte ich so nicht unbedingt erwartet.

Was mache ich eigentlich hier?

Die Sonne geht gegen 17:00 Uhr unter und gegen halb sechs ist es dunkel. Deshalb bin ich bestrebt nach einem geeigneten Lagerplatz Ausschau zu halten. Noch durchlaufe ich den letzten Ort Gualdo um von der Ansiedelung weg, wieder hoch in den Bergwald zu kommen. Recht bald zeigt sich an abgeschiedener Stelle und doch direkt am Pfad, ein schöner ebener Platz unter dichten Laubbäumen und ich kann beginnen das Zelt aufzubauen. Noch vor Einbrechen der Dunkelheit ist es gelungen eine schöne „Schlafstatt“ für diese Nacht einzurichten, so liege ich schon um sechs Uhr wie ein Murmeltier im Schlafsack, Yuki hat es sich in der Apsis des Zeltes gemütlich gemacht, es liegt eine größere Menge trockenes Laub unter ihr. Ich schlafe recht bald ein. Dann wache ich in dieser Nacht auf. Es ist hier so unglaublich still!

Kein Geräusch, kein Wind der die Blätter zum rauschen bringt, kein Tier welches Laute von sich gibt, kein Wasserlauf in der Nähe welcher glucksende Geräusche verursachen könnte. EINFACH NICHTS, ich hatte mich tatsächlich gefragt: Ob das hier der richtige Platz für mich ist, ob es nicht besser wäre dieser Stille zu entfliehen und das ganze Unternehmen abzubrechen! Ich beschloss dann diesen Augenblick zu leben, es auszuhalten und die unglaubliche Stille bewusst anzunehmen. Später in der Nacht begann es zu regnen, die Geräusche die der Regen verursachte begannen die Stille zu durchdringen. Die Wolken stauten sich am Berg und regneten ab. Der Regen dauerte die ganze Nacht hindurch an. Ich schlief dann noch ein und erwachte als mir der Morgen das erste Licht ins Zelt schickte.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 Kommentar