7. Dezember 2019

Der Franziskus Weg von Citta di Castello bis Pietralunga

Der Franziskus Weg von Citta di Castello bis Pietralunga | 28,4 km

Der 6. Tag

Citta di Castello bis Pietralunga

Eine aufregende Nacht liegt hinter uns

Yuki hatte in der letzten Nacht irgendetwas vom Zelt weg verscheucht, sie sprang plötzlich und unerwartet vor das Zelt und gab einige Beller von sich. Ich hörte nur noch ein Rascheln im angrenzenden Gebüsch. Ein größeres Tier hat wohl dem Geruch unserer Lebensmittel nicht widerstehen können, es ist seiner Nase gefolgt und hätte sich wohl über die Lebensmittel hergemacht, wenn Yuki nicht so ordentlich gewacht hätte! Nach der aufregenden und nassen Nacht, es hatte die ganze Nacht durchgeregnet,

geht es so gegen halb Acht wieder zurück auf unseren Pfad. Das Wetter möchte ich dennoch „loben“, hat es doch pünktlich zum zeltabbau aufgehört zu regen. Kleine Hügel mit Olivenhainen abgelöst von Weinbergen säumen unseren Pfad. Dieses Tal wird landwirtschaftlich gut genutzt. Nach ein paar Kilometern auf einer geteerten Straße wendet sich unser Pfad nach rechts, wird zur unbefestigten Straße und beginnt sich in Serpentinen den Hang hochzuwinden.

Es geht auf dem Rücken eines Höhenzuges Richtung Süden. Hinter jeder Biegung des folgenden Weges tat sich ein neuer, atemberaubender Blick auf die umliegenden Wälder und Landschaften auf. Ruhig haben sich die Nebel des Novembers auf die unten liegenden Hügel und in die Täler gelegt und geben zusammen mit der Lauffärbung ein stimmungsvolles Bild ab.

Gipfelregion in Schnee

Die Gipfelregion eines weiter entfernten, höheren Berges präsentiert sich eingeschneit. Oft bleibe ich stehen um mich an diesen Anblicken zu erfreuen. Nach sieben Kilometern ist ein Pass erreicht und wie auf Kommando beginnt die Sonne durch die Wolken zu stoßen, zudem hat der Wind leicht aufgefrischt. Ich traue meinen Augen kaum:

Zum ersten Mal stehen schöne Holzbänke neben dem Pfad, bei uns in Deutschland gibt es sie zuhauf am Wegesrand der Wanderrouten, in Italien sind sie eine echte Rarität! Und wenn schon, denn schon – hier noch gleich mit Quellen-Anschluss! Es gibt nichts mehr zu überlegen: Hier wird Rast gemacht, zwischen zwei Schildern spanne ich meine „Wäscheleine“

Gebetsfahne in Italien

Ich bin sehr froh mein nasses Zelt und den Schlafsack hier zum trocknen aufhängen zu können! Die wenigen Autofahrer die hier entlang kommen scheinen ihren Augen nicht zu trauen. Sie meinen vielleicht hier hätte jemand einige übergroße „Gebetsfahnen“ ausgehängt, so bunt wie sich meine Ausrüstung präsentiert? Obwohl die Fahrer sehr abgelenkt wurden,

ist es wegen des geringen Verkehrsaufkommens zu keinem Unfall gekommen. Die nächsten Kilometer sind eine echte Herausforderung: Einer gefühlten Unendlichkeit folgen wir einer einsamen Landstraße die durch dichte Laubwälder mit Kastanien, Eichen und Buchen führt. Hier ist mir kein Auto, kein Mensch – einfach nichts – auf den vielen Kilometern begegnet.

Wir lümmelten bequem auf der Wiese

Nach vielen Stunden erreichen wir dann so langsam wieder die „Zivilisation“. Vereinzelt stehen jetzt wieder kleinere Bauernanwesen am Wegesrand, nach der ganzen Lauferei auf den geteerten Straßen tun mir die Füße weh. Gerne nehmen wir ein Angebot des Weges an und lassen uns auf einer Wiese bei Sonnenschein und toller Fernsicht nieder.

Die vielen Strapazen die uns der Pfad von heute beschert hat sind schon wieder vergessen, wir lümmelten bequem auf der Wiese und freuten uns unseres Lebens. Die Sonne erwärmte die Haut meines Gesichts und der heiße Kaffee tat sein übriges um das Glück dieses Momentes perfekt zu machen.

Wir erreichen die Gemeinde „Pietralunga“

Nach kurzer leicht bergwärts führender Wegstrecke liegt die 2252 Einwohner zählende Gemeinde „Pietralunga“ vor mir. Wie zahlreiche Funde und erhaltene Ruinen aus der römischen Antike zeigen, ist die Besiedelung schon sehr alt. Leider kommen wir gerade an, als die Lebensmitteläden geschlossen sind.

Die Möglichkeit Proviant aufzustocken ist nach meiner Einschätzung die letzte Möglichkeit hier. Und das auch für den folgende Tag! Nachdem ich mich über Lage und die Öffnungszeiten der Läden informiert habe, nehme ich auf einer Bank inmitten des Ortskernes Platz. Wir haben noch eineinhalb Stunden, bis 15:00 Uhr zu warten.

Eine Pause im antiken, erhöhten Ortskern

Eine Pause im antiken, erhöhten Ortskern gepaart mit einer schönen Fernsicht auf die umliegenden sanften Hügel deren Laubbäume sich noch mit grünem Laub zeigen, ist eine tolle Sache. Viele Italiener sprechen mich auf Yuki an: Welcher Rasse sie angehört, ob sie angefasst werden kann und wie schön sie das Tier finden.

So wird die Zeit recht kurzweilig und geht rasch vorbei. Nur kalt wird es mir, beim herumsitzen! Es ist dann auch rasch eingekauft und Yuki weiß nun schon das ich für sie nach jedem Einkauf eine Leckerei mitbringe. Erwartungsvoll sieht sie mich aus dem Geschäft kommen. Es gibt heute: Hundenassfutter und für später, für das Lager „Kauknochen“

Unser Ziel für den restlichen Tag ist klar abgesteckt: Raus aus der Gemeinde und nach einem schönen Fleckchen Erde zum zeltaufbau suchen, die Zeit drängt! Die Sonne steht bedenklich niedrig und die Luft kühlt schon merklich ab, die Nebel beginnen sich zu bilden.

Schwierige Suche

Die geteerte Straße führt uns bergabwärts aus dem Ort, letzte Häuser säumen den Weg, bis der Pfad dann nach ca. drei Kilometern rechts den Hang hoch und in die Steigung geht. Ich sehe hier nur dichten Bergwald und dann umgepflügte Felder links und rechts des Weges! Hier lässt sich absolut kein Zelt aufstellen,

mir wird langsam mulmig zumute. Dann versuche ich noch weiter bergwärts mein Glück, dazu weiche ich ca. einen Kilometer vom Pfad ab. Von unten sah das Gelände recht vielversprechend aus, doch hier oben sehe ich auf den ersten Blick nur wieder umgepflügte Felder und steinige, abschüssige Wiesen.

Doch noch guten Grund gefunden

Dennoch sehe ich mich hier oben noch etwas um, den ich muss hier einfach einen Platz für mein Zelt finden! Dann sehe ich, hinter ein paar Ginstersträuchern einen freien Platz, eine Art Feldrain der nicht umgepflügt wurde, dem ersten Anschein nach völlig ungeeignet, weil uneben. Doch bei genauerer Untersuchung sehe ich eine ca. 2 Meter lange und 0,8 Meter breite Stelle,

auf welcher genau meine Isomatte passen müsste. Ich überlege nicht mehr lange und habe dann auch schon nach 5 Minuten das Zelt dort stehen und es funktioniert tatsächlich! Der Zeltboden ist vorne etwas abschüssig und hinten schön gerade. Zudem habe ich einen Hammer Ausblick auf die gegenüber liegenden Berge. Es ist bereits dunkel als ich in meinen trockenen Schlafsack krieche.

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